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Lenkung, Gelenke und Manschetten: Typische Mängel vor der HU erkennen

Prüfperson kontrolliert Lenkung, Fahrwerksgelenk und Gummimanschette eines Pkw auf einer Hebebühne in Berlin

Wer Lenkung und Fahrwerksgelenke prüfen lassen möchte, sollte nicht erst auf den HU-Termin warten. Denn Spiel in der Lenkung, beschädigte Gummimanschetten oder ausgeschlagene Lager können das Fahrverhalten deutlich verschlechtern. Deshalb lohnt sich eine frühzeitige Kontrolle, wenn das Auto poltert, beim Bremsen zur Seite zieht oder die Lenkung unpräzise wirkt.

Bei der Hauptuntersuchung werden sicherheitsrelevante Bauteile nach Sicht-, Funktions- und Wirkungsmerkmalen beurteilt. Dazu gehören unter anderem Fahrwerk, Lenkung, Räder und Reifen. Maßgeblich sind § 29 StVZO sowie die dazugehörigen Anlagen und Prüfrichtlinien. Die Untersuchung ersetzt jedoch keine Reparaturdiagnose, weil nicht jedes verschlissene Bauteil von außen eindeutig erkennbar ist.

Wie wird Spiel an Lenkung und Fahrwerksgelenken geprüft?

Beim Lenkung und Fahrwerksgelenke prüfen achten Prüfingenieure zunächst auf sichtbare Schäden, korrekte Befestigung und ungewöhnliche Bewegungen. Je nach Fahrzeug und Prüfeinrichtung wird das Fahrzeug angehoben oder auf einer Prüfplatte bewegt. Dabei lassen sich beispielsweise Spiel an Spurstangenköpfen, Traggelenken, Radlagern oder Lagerstellen der Querlenker erkennen.

Zusätzlich wird die Lenkung bewegt. Der Prüfer achtet darauf, ob die Räder verzögert auf die Lenkradbewegung reagieren, ob Rastpunkte auftreten oder ob sich Bauteile gegeneinander verschieben. Ein kleiner konstruktiv bedingter Bewegungsspielraum ist nicht automatisch ein Mangel. Entscheidend sind die Fahrzeugvorgaben, die Größe des Spiels und die sicherheitsrelevante Wirkung.

Bei der Prüfung zählt deshalb nicht nur, ob ein Gelenk „irgendwie“ bewegt werden kann. Wichtig ist vielmehr, ob die Verbindung sicher geführt wird, ob Befestigungen fest sitzen und ob sich daraus eine Beeinträchtigung der Lenk- oder Fahrstabilität ergibt. Die Anlage VIII StVZO beschreibt den rechtlichen Rahmen der wiederkehrenden Untersuchung; die Anlage VIIIa StVZO regelt ergänzende Untersuchungsanforderungen.

Welche Schäden an Manschetten, Spurstangen und Lagern sind relevant?

Gummimanschetten schützen Gelenke vor Wasser, Staub und Schmutz. Ein Riss, ein loses Spannband oder austretendes Fett kann deshalb mehr bedeuten als einen rein optischen Makel. Dringen Schmutz und Feuchtigkeit ein, verschleißt das darunterliegende Gelenk häufig schneller. Der ADAC weist darauf hin, dass beschädigte Achs- und Gummimanschetten Folgeschäden an Gelenken und Lenkungsteilen verursachen können.

Besonders relevant sind folgende Befunde:

  • gerissene oder stark poröse Manschetten an Lenk- und Achsgelenken,
  • Fettspuren an einer beschädigten Manschette,
  • ausgeschlagene Spurstangenköpfe oder Axialgelenke,
  • sichtbares Spiel an Traggelenken und Querlenkerlagern,
  • lose, gebrochene oder korrodierte Befestigungen,
  • verschobene Lagergummis oder deutlich eingerissene Buchsen,
  • ein Radlager mit auffälligem Spiel oder mahlendem Laufgeräusch.

Nicht jeder Riss führt automatisch zur gleichen Mängeleinstufung. Die Bewertung hängt davon ab, ob bereits Spiel, Funktionsverlust oder eine konkrete Gefährdung vorliegt. Eine lose Manschette sollte trotzdem zeitnah geprüft werden, weil eine kleine Undichtigkeit später einen teuren Gelenkschaden verursachen kann.

Welche Geräusche und Fahrveränderungen sollten ernst genommen werden?

Geräusche treten oft zunächst nur unter bestimmten Bedingungen auf. Ein einzelnes Knacken beim Rangieren kann beispielsweise auf ein Gelenk, eine Federbeinaufnahme oder ein Antriebswellengelenk hinweisen. Poltern auf Kopfsteinpflaster oder beim Überfahren von Bodenwellen passt dagegen eher zu Spiel in einem Lager, einem Gelenk oder einer Koppelstange.

Ernst nehmen sollten Sie außerdem:

  • Knacken beim Lenken oder beim Anfahren mit eingeschlagenen Rädern,
  • Poltern an der Vorder- oder Hinterachse,
  • mahlende Geräusche, die mit der Geschwindigkeit zunehmen,
  • ein Lenkrad, das deutlich schief steht,
  • Nachlaufen, Ziehen oder ständiges Gegenlenken,
  • schwammige oder verzögerte Lenkreaktionen,
  • ungleichmäßigen Reifenverschleiß,
  • Vibrationen im Lenkrad oder beim Bremsen.

Die DEKRA-HU-Checkliste empfiehlt, auffälliges Lenkverhalten, plötzliche Geräusche und beschädigte Manschetten nicht zu ignorieren. Auch der TÜV NORD nennt Lenkung und Fahrwerk als zentrale HU-Prüfbereiche. Ein Geräusch allein beweist zwar noch keinen bestimmten Defekt, aber die Kombination aus Geräusch und veränderter Fahrstabilität erfordert eine fachliche Prüfung.

Was sollten Sie vor der Hauptuntersuchung kontrollieren?

Eine kurze Sichtkontrolle ersetzt keine Werkstattdiagnose, sie kann jedoch Hinweise liefern. Prüfen Sie bei eingeschlagenen Vorderrädern, ob Manschetten gerissen sind oder Fettspuren aufweisen. Achten Sie außerdem auf ungleichmäßigen Reifenabrieb und darauf, ob das Lenkrad während der Fahrt dauerhaft schief steht.

Fahren Sie anschließend langsam über eine bekannte, sichere Strecke. Beobachten Sie, ob das Fahrzeug beim Bremsen gerade bleibt und ob beim Lenken, Rangieren oder Überfahren kleiner Unebenheiten Geräusche auftreten. Verzichten Sie jedoch auf riskante Selbsttests unter dem Fahrzeug, denn ein sichtbares Bauteil kann trotz unauffälliger Oberfläche Spiel haben.

Nach einer Reparatur sollten Sie die Achsgeometrie prüfen lassen, wenn Spurstangen, Querlenker oder andere lenkungsnahe Bauteile ersetzt wurden. Eine falsche Spur kann das Fahrverhalten und den Reifenverschleiß beeinflussen. Bei Änderungen am Fahrwerk oder an der Lenkung sind außerdem die erforderlichen Unterlagen und eine mögliche Änderungsabnahme zu klären. Hinweise dazu bietet beispielsweise die KÜS-Information zu Fahrwerksänderungen.

Wie unterstützt die MAG Prüfstation in Berlin?

Die MAG Prüfstation in Berlin-Pankow prüft bei der Hauptuntersuchung die sicherheitsrelevanten Fahrzeugbereiche und erläutert festgestellte Mängel verständlich. Dazu gehören auch Lenkung, Fahrwerk, Räder und Reifen. Nach einer Reparatur kann die erforderliche Nachuntersuchung durchgeführt werden, sofern die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

Wenn ein Fahrwerk verändert, ein Lenkrad umgebaut oder ein lenkungsnahes Bauteil nicht serienmäßig ersetzt wurde, sollte die technische Zulässigkeit frühzeitig geklärt werden. Die MAG-Prüfstelle in Berlin-Heinersdorf unterstützt bei HU, Nachuntersuchungen und passenden Prüf- beziehungsweise Abnahmefragen. Für eine individuelle Einschätzung können Sie direkt Kontakt aufnehmen.

MAG Ingenieure ist in Berlin und im Umland für Prüfungen und fahrzeugbezogene Dienstleistungen ansprechbar. Bei speziellen Gutachten ist MAG mobil und kann auf individuelle Anfrage auch bundesweit tätig werden.

Merksatz: Knacken, Poltern, Spiel oder sichtbares Fett an einer Manschette sind keine zuverlässige Diagnose, aber wichtige Hinweise. Lassen Sie die Ursache klären, bevor aus einem kleinen Verschleiß ein sicherheitsrelevanter Mangel wird.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Stand: September 2026. Angaben dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle technische Prüfung. Maßgeblich sind die jeweils geltenden gesetzlichen Vorschriften und die konkrete Fahrzeugausführung.