Auch ein Elektroauto muss regelmäßig zur Hauptuntersuchung. Viele klassische Prüfpunkte bleiben gegenüber einem Verbrenner unverändert. Gleichzeitig rücken das Hochvoltsystem, die Antriebsbatterie und weitere elektrische Komponenten stärker in den Mittelpunkt.
Eine Abgasuntersuchung entfällt bei einem reinen Elektrofahrzeug. Das bedeutet jedoch nicht, dass die HU automatisch einfacher oder immer ohne Mängel verläuft.
Welche HU-Fristen gelten für Elektroautos?
Für privat genutzte Elektro-Pkw gelten grundsätzlich dieselben HU-Fristen wie für vergleichbare Pkw mit Verbrennungsmotor:
- Erste Hauptuntersuchung in der Regel 36 Monate nach der Erstzulassung
- Danach normalerweise alle 24 Monate
- Der Fälligkeitsmonat steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I und auf der HU-Plakette
Bei reinen Elektrofahrzeugen entfällt die Untersuchung des Motormanagement- und Abgasreinigungssystems. Plug-in-Hybride und andere Hybridfahrzeuge besitzen dagegen weiterhin einen Verbrennungsmotor. Daher ist bei ihnen grundsätzlich auch die Abgasuntersuchung relevant.
Eine ausführliche Übersicht zu den Besonderheiten bietet auch der aktuelle Ratgeber von TÜV NORD zur Hauptuntersuchung beim Elektroauto.
Was wird wie bei jedem anderen Auto geprüft?
Unabhängig von der Antriebsart muss das Fahrzeug verkehrssicher sein. Deshalb werden bei einem Elektroauto unter anderem die klassischen HU-Bereiche untersucht:
- Bremsanlage
- Lenkung
- Reifen und Räder
- Achsen und Fahrwerk
- Beleuchtung
- Scheiben, Spiegel und Scheibenwischer
- Sicherheitsgurte und Rückhaltesysteme
- Karosserie und tragende Bauteile
- elektronische Sicherheitssysteme
- Warn- und Kontrollleuchten
Die fehlende Abgasanlage gleicht daher nur einen Teil der zusätzlichen elektrischen Prüfpunkte aus.
Welche E-Auto-Komponenten stehen besonders im Fokus?
| Prüfbereich | Warum dieser Bereich wichtig ist | Was vor dem Termin auffallen kann |
|---|---|---|
| Hochvoltsystem | Beschädigungen können die elektrische Sicherheit beeinträchtigen | Warnmeldungen, beschädigte Abdeckungen oder sichtbare Leitungen |
| Batteriegehäuse | Die Antriebsbatterie ist häufig im Unterboden untergebracht | Beschädigungen nach Aufsetzen oder einem Unfall |
| Hochvoltleitungen | Leitungen und Anschlüsse müssen geschützt und ordnungsgemäß befestigt sein | Lose Befestigungen oder sichtbare Beschädigungen |
| Batteriemanagement | Das System überwacht wichtige Batterie- und Sicherheitsfunktionen | Warnleuchten oder Fehlermeldungen |
| Ladeanschluss | Der Anschluss muss sicher befestigt und unbeschädigt sein | Beschädigte Abdeckung, verbogene Kontakte oder lockere Bauteile |
| Rekuperations- und Bremsanlage | Seltene Nutzung der Reibbremse kann Korrosion begünstigen | Riefen, Rost oder auffälliges Bremsverhalten |
| Fahrgeräuschsimulator | Bei entsprechend ausgerüsteten Fahrzeugen sicherheitsrelevant | Fehlermeldung oder fehlende Funktion |
Für bestimmte Prüfungen kann der HU-Adapter eingesetzt werden. Darüber lassen sich fahrzeugspezifische Informationen und Fehler aus elektronischen Systemen auslesen. Eine Demontage der Hochvoltbatterie findet bei der normalen HU nicht statt.
Was zeigt der TÜV-Report 2026?
Für den TÜV-Report 2026 wurden knapp 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen von 246 Fahrzeugmodellen ausgewertet. Erstmals waren 18 Elektrofahrzeuge in der Auswertung vertreten.
Bei den zwei bis drei Jahre alten Fahrzeugen zeigt sich eine große Spannweite:
| Elektrofahrzeug | Mängelquote | Einordnung im TÜV-Report 2026 |
|---|---|---|
| Mini Cooper SE | 3,5 % | Bestes Elektroauto dieser Altersgruppe |
| Tesla Model Y | 17,3 % | Letzter Platz der gesamten Altersgruppe |
Quelle und Bezugsgröße: TÜV-Report 2026, zwei bis drei Jahre alte Fahrzeuge, Auswertung der HU-Ergebnisse. Die Werte einzelner Modelle lassen sich nicht pauschal auf alle Elektroautos übertragen.
Die Ergebnisse zeigen vor allem: Der elektrische Antrieb allein entscheidet nicht über das Bestehen der HU. Fahrzeugkonstruktion, Wartung, Laufleistung und Nutzung bleiben entscheidend. Laut TÜV-Verband fallen bei Elektroautos besonders Bremsen und Achsaufhängungen auf.
Durch die Rekuperation wird im Alltag häufig elektrisch verzögert. Die klassische Reibbremse wird dadurch weniger beansprucht. Das kann Korrosion an Bremsscheiben begünstigen. Zusätzlich kann das Gewicht der Antriebsbatterie Fahrwerk und Achsbauteile stärker beanspruchen.
Wird bei der HU die Akkukapazität gemessen?
Die sicherheitsrelevante Prüfung der Hochvoltbatterie ist nicht mit einer vollständigen Messung ihrer verbleibenden Kapazität gleichzusetzen. Die normale HU beantwortet daher nicht automatisch Fragen wie:
- Wie viel Prozent der ursprünglichen Akkukapazität sind noch vorhanden?
- Welche Reichweite erreicht das Fahrzeug tatsächlich?
- Wie stark ist die Batterie bereits gealtert?
- Wie hoch ist der sogenannte State of Health?
Für solche Fragen ist ein gesonderter Batterie- oder Zustandscheck erforderlich. Entsprechende Verfahren werden beispielsweise als unabhängiger Batterie-Schnelltest von DEKRA angeboten.
Merksatz: Die HU bewertet die Verkehrssicherheit des Batteriesystems – nicht die verbleibende Reichweite des Fahrzeugs.
Checkliste zur Vorbereitung der Elektroauto-HU
Vor dem Termin können Fahrzeughalter einige Punkte selbst kontrollieren:
- Funktionieren Abblendlicht, Bremslicht und Blinker?
- Sind alle Reifen unbeschädigt und ausreichend profiliert?
- Werden Warnmeldungen oder Fehlersymbole angezeigt?
- Sind Ladeanschluss und Abdeckung unbeschädigt?
- Zeigt das Fahrzeug ungewöhnliche Geräusche oder Veränderungen beim Bremsen?
- Sind am Unterboden Beschädigungen oder Aufsetzspuren erkennbar?
- Wurden offene Rückrufaktionen erledigt?
- Sind Zulassungsbescheinigung und eventuell erforderliche Änderungsnachweise vorhanden?
Arbeiten am Hochvoltsystem dürfen nur von entsprechend qualifizierten Fachkräften vorgenommen werden. Orangefarbene Leitungen, Batterieabdeckungen und elektrische Anschlüsse sollten nicht eigenständig geöffnet oder verändert werden.
Wer einen HU-Termin benötigt, kann die Terminbuchung von MAG Ingenieure nutzen. Entscheidend ist nicht, ob das Fahrzeug elektrisch fährt, sondern ob sämtliche sicherheitsrelevanten Bauteile vorschriftsmäßig funktionieren.

