Bei der Bremsenprüfung auf dem Rollenprüfstand messen Prüfingenieure die Bremskraft an jedem geprüften Rad und vergleichen die Werte innerhalb einer Achse. Die Bremsenprüfung auf dem Rollenprüfstand zeigt außerdem, ob die Bremsanlage gleichmäßig anspricht und ob die Betriebsbremse sowie die Feststellbremse ausreichend wirken.
Der Rollenprüfstand ersetzt dabei keinen vollständigen Blick auf die Bremsanlage, weil auch Leitungen, Bremsscheiben, Beläge, Bremssättel und Warnanzeigen bewertet werden. Im Rahmen der Hauptuntersuchung (HU) gehört die Bremsanlage zu den sicherheitsrelevanten Prüfpunkten.
Was misst der Rollenprüfstand?
Das Fahrzeug fährt mit einer Achse auf zwei Rollensätze. Die Rollen drehen die Räder kontrolliert, während Sensoren die entstehende Bremskraft erfassen. Sobald der Fahrer oder die Fahrerin bremst, zeigt der Prüfstand die Werte für das linke und rechte Rad getrennt an.
Dabei interessieren vor allem vier Punkte:
- die Bremskraft jedes einzelnen Rades,
- die Summe der Bremskräfte einer Achse,
- die Abweichung zwischen linker und rechter Seite,
- der Verlauf der Bremskraft während des Bremsvorgangs.
Die Prüftechnik betrachtet also nicht nur einen einzelnen Spitzenwert. Sie zeigt auch, ob die Bremskraft kontrolliert ansteigt oder während einer Radumdrehung deutlich schwankt. Je nach Fahrzeug, Bremsanlage und vorhandenen Fahrzeugdaten erfolgt die Bewertung nach den geltenden Vorgaben der HU-Bremsenrichtlinie.
Wie werden Betriebsbremse und Feststellbremse geprüft?
Betriebsbremse
Für die Betriebsbremse betätigt die prüfende Person das Bremspedal, während sich die Räder auf den Rollen drehen. Die Messung erfolgt achsweise, damit der Prüfstand die Kräfte links und rechts direkt vergleichen kann. Anschließend bewertet das System die Gesamtwirkung, die Seitenabweichung und den Kraftverlauf.
Eine ausreichende Bremskraft allein reicht deshalb nicht immer aus. Wenn ein Rad deutlich stärker bremst als das andere, kann das Fahrzeug beim Bremsen zur Seite ziehen. Das weist zum Beispiel auf ungleichmäßig verschlissene Beläge, einen schwergängigen Bremssattel, ein Problem in der Bremskraftverteilung oder eine beschädigte Bremsscheibe hin.
Feststellbremse
Die Feststellbremse wird separat geprüft, während die betreffende Achse weiterhin auf dem Rollenprüfstand steht. Bei einer mechanischen Handbremse zieht die prüfende Person den Hebel beziehungsweise betätigt das Pedal. Bei einer elektrischen Feststellbremse wird das System über den vorgesehenen Schalter aktiviert.
Der Prüfstand misst auch hier die Bremskraft an den Rädern und vergleicht die linke mit der rechten Seite. Zusätzlich muss die Feststellbremse genügend Haltewirkung erzeugen, damit das abgestellte Fahrzeug sicher stehen bleibt. Wie die Messung im Einzelnen abläuft, hängt vom Fahrzeug und vom eingebauten Bremssystem ab.
Warum sind Bremskraft, Seitenabweichung und gleichmäßiges Ansprechen wichtig?
Bremskraft: Das Fahrzeug muss ausreichend verzögern
Die Bremskraft zeigt, ob die Bremsanlage das Fahrzeug wirksam verlangsamen kann. Für die Bewertung zählt jedoch nicht einfach der höchste denkbare Prüfstandswert, weil Fahrzeugdaten, Bremsdruck und Prüfverfahren zusammengehören. Die HU-Bremsenrichtlinie arbeitet deshalb mit fahrzeugbezogenen Bezugsgrößen und Mindestanforderungen.
Wenn die Bremskraft zu niedrig bleibt, kann sich der Bremsweg verlängern. Das wird besonders bei Nässe, hoher Geschwindigkeit oder einem voll beladenen Fahrzeug kritisch, weil dann weniger Sicherheitsreserve bleibt.
Seitenabweichung: Das Fahrzeug soll beim Bremsen stabil bleiben
Bremsen die Räder einer Achse unterschiedlich stark, entsteht ein Drehimpuls. Das Fahrzeug kann dann beim Bremsen nach links oder rechts ziehen, sodass der Fahrer gegenlenken muss. Eine geringe Seitenabweichung ist deshalb wichtig, damit das Auto auch bei einer starken Bremsung kontrollierbar bleibt.
Gleichmäßiges Ansprechen: Die Bremse darf nicht ruckeln
Der Prüfstand zeichnet den Verlauf der Bremskraft auf. Schwankt die Kraft regelmäßig, kann die Bremse unrund arbeiten. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel eine ungleichmäßig abgenutzte oder verzogene Bremsscheibe, Rost, ein klemmender Bremssattel oder eine Störung an der Trommelbremse.
Eine gleichmäßig ansteigende Bremskraft zeigt dagegen, dass die Radbremse auf den Pedaldruck kontrolliert reagiert. Das ist wichtig, weil eine ruckartige oder verzögerte Wirkung die Fahrzeugstabilität beeinträchtigen kann.
Welche Symptome können vor dem Termin auf einen Bremsenmangel hinweisen?
Achten Sie vor der HU besonders auf folgende Warnzeichen, weil sie eine Prüfung in der Werkstatt sinnvoll machen:
- Das Fahrzeug zieht beim Bremsen deutlich nach links oder rechts.
- Das Bremspedal fühlt sich weich oder schwammig an.
- Das Pedal sinkt bei konstantem Druck langsam weiter ab.
- Der Bremsweg wird länger als gewohnt.
- Lenkrad oder Bremspedal vibrieren beim Bremsen.
- Es treten dauerhaft Quietschen, Schleifen oder mahlende Geräusche auf.
- Ein Rad oder eine Felge wird nach kurzer Fahrt ungewöhnlich heiß.
- Die Bremswarnleuchte oder ABS-Warnleuchte bleibt eingeschaltet.
- Die Feststellbremse hält das Fahrzeug an einer leichten Steigung nicht zuverlässig.
Ein kurzes Geräusch nach einer feuchten Nacht kann durch oberflächlichen Flugrost entstehen. Bleibt das Geräusch jedoch bestehen, tritt Brandgeruch auf oder verändert sich der Druckpunkt, sollte eine Fachwerkstatt die Bremsanlage prüfen. Bei einem sehr weichen Pedal, stark verlängertem Bremsweg oder sichtbarem Flüssigkeitsverlust sollten Sie nicht weiterfahren, sondern fachkundige Hilfe organisieren.
Wie bereiten Sie sich auf die Bremsenprüfung vor?
Prüfen Sie vor dem HU-Termin, ob die Bremswarnleuchten nach dem Start erlöschen und ob sich das Bremspedal wie gewohnt anfühlt. Achten Sie auf neue Geräusche, einseitiges Ziehen und ungewöhnliche Wärme an einem Rad. Führen Sie keine riskanten Bremsversuche im öffentlichen Straßenverkehr durch.
Wenn Sie Symptome bemerken, lassen Sie die Ursache vor dem Termin diagnostizieren. Ein einfacher Teiletausch hilft nicht immer, weil derselbe Messwert verschiedene Ursachen haben kann. Nach einer Reparatur sollten Sie Prüfbericht oder Werkstattunterlagen zur Nachprüfung mitbringen.
Bremsenprüfung bei MAG Ingenieure in Berlin-Pankow
Bei MAG Ingenieure in Berlin-Pankow erhalten Sie die Hauptuntersuchung im Auftrag von TÜV NORD Mobilität. Die Bremsanlage wird dabei im Rahmen der HU nach den geltenden technischen Vorgaben geprüft. Wenn eine Auffälligkeit vorliegt, erläutert der Prüfingenieur den festgestellten Mangel und den nächsten sinnvollen Schritt.
Nach der Reparatur können Sie die erforderliche Nachuntersuchung über die Terminbuchung organisieren. Für Fragen zum Prüfablauf, zu Unterlagen oder zu weiteren Fahrzeugprüfungen steht das Kontaktformular von MAG Ingenieure zur Verfügung.
MAG Ingenieure ist in Berlin-Pankow und im Umland für Fahrzeugprüfungen erreichbar. Zum Leistungsangebot gehören neben der HU auch Änderungsabnahmen nach § 19.3 StVZO, Voll- und Einzelabnahmen nach § 21 StVZO sowie BOKraft-Prüfungen für bestimmte gewerblich genutzte Fahrzeuge.
FAQ: Wird bei der HU nur auf dem Rollenprüfstand geprüft?
Nein. Der Rollenprüfstand liefert wichtige Messwerte zur Bremswirkung, aber die HU umfasst zusätzlich eine Sicht- und Funktionsprüfung. Der Prüfingenieur betrachtet daher unter anderem erkennbare Schäden, Leitungen, Bauteile, Reifen und Warnanzeigen.
FAQ: Kann eine geringe Bremskraftdifferenz trotzdem auffällig sein?
Ja, denn die Bewertung hängt vom Fahrzeug, vom Bremssystem und von den geltenden Prüfvorgaben ab. Außerdem kann ein ungleichmäßiger Kraftverlauf auf einen beginnenden technischen Mangel hinweisen, auch wenn der Spitzenwert zunächst unauffällig wirkt.
Merksatz: Der Rollenprüfstand misst nicht nur, wie stark ein Fahrzeug bremst, sondern auch, ob es links und rechts gleichmäßig sowie kontrolliert bremst.
Stand: 15. September 2026
Hinweis: Dieser Beitrag erklärt den Prüfablauf allgemein. Maßgeblich sind die jeweils geltenden gesetzlichen Vorschriften, die aktuelle HU-Bremsenrichtlinie und die fahrzeugbezogenen Prüfdaten.

