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Warum können die Bremsen eines Elektroautos Probleme machen?

Bremsscheibe eines Elektroautos mit leichtem Flugrost auf einer Bremsenprüfrolle in einer Berliner Kfz-Prüfstation

Bremsen beim Elektroauto* arbeiten im Alltag oft anders als bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Bremsen beim Elektroauto werden durch die Rekuperation häufig geschont, und genau deshalb nutzt sich die mechanische Bremsanlage weniger ab. Das klingt zunächst positiv, kann aber Rost, ein schlechtes Tragbild und nachlassende Bremswirkung begünstigen.

Die Lösung lautet nicht, die Rekuperation grundsätzlich auszuschalten. Fahrer sollten jedoch wissen, wie das System arbeitet, Warnzeichen ernst nehmen und die mechanischen Bremsen gelegentlich bewusst nutzen.

Wie funktioniert das Bremsen mit Rekuperation?

Bei der Rekuperation arbeitet der Elektromotor als Generator. Sobald das Fahrzeug verzögert, treiben die Räder den Motor an, und dieser wandelt einen Teil der Bewegungsenergie in elektrische Energie um. Die Batterie nimmt diese Energie wieder auf. Der ADAC erklärt die Rekuperation beim Elektroauto anschaulich und zeigt, dass der Effekt besonders im Stadtverkehr mit vielen Verzögerungen relevant ist.

Bei vielen Modellen reicht die Rekuperation beim vorausschauenden Fahren für einen großen Teil der Verzögerungen aus. Zusätzlich kann das Fahrzeug über das Bremspedal die elektrische und die mechanische Bremse kombinieren. Bei einer starken Bremsung, einer Notbremsung oder begrenzter Batterieleistung greift die Reibbremse stärker ein.

Die Rekuperation kann allerdings begrenzt sein, wenn die Batterie sehr kalt oder vollständig geladen ist. Dann muss das Fahrzeug die Verzögerung stärker über die herkömmliche Bremsanlage erzeugen. Wie das Zusammenspiel genau funktioniert, hängt vom Fahrzeugmodell und der Software ab.

Warum können Bremsscheiben beim Elektroauto rosten?

Eine Bremsscheibe aus Stahl rostet, wenn Feuchtigkeit auf die Oberfläche gelangt und die Scheibe längere Zeit nicht ausreichend freigerieben wird. Bei einem Elektroauto übernimmt die Rekuperation jedoch viele leichte Bremsvorgänge. Deshalb drücken die Bremsbeläge seltener mit genügend Kraft gegen die Scheibe, um Wasser, Schmutz und Flugrost vollständig zu entfernen.

Ein dünner orange-brauner Belag nach Regen oder längerer Standzeit ist zunächst kein ungewöhnliches Zeichen. Er verschwindet normalerweise durch einige sichere Bremsungen. Problematisch wird es, wenn sich Rost dauerhaft festsetzt oder die Scheibe ein ungleichmäßiges Tragbild, tiefe Riefen, Risse oder eine deutliche Korrosionsschwächung zeigt. Dann kann die Bremswirkung ungleichmäßig werden, und das Fahrzeug kann beim Bremsen ruckeln oder zur Seite ziehen.

Der TÜV-Verband weist bei Elektrofahrzeugen darauf hin, dass die mechanischen Bremsen wegen der Rekuperation seltener genutzt werden und deshalb häufiger Korrosionsprobleme auftreten können. Das bedeutet nicht, dass jedes Elektroauto automatisch ein Bremsenproblem hat. Entscheidend sind Fahrzeugmodell, Nutzung, Witterung, Standzeiten und Wartung.

Welche Bremsmängel erkennt der TÜV?

Umgangssprachlich heißt die Prüfung oft „TÜV“. Offiziell handelt es sich um die Hauptuntersuchung (HU). Die gesetzlichen Grundlagen für Ablauf und Umfang stehen unter anderem in § 29 StVZO und in der Anlage VIIIa StVZO.

Bei der HU beurteilt der Prüfingenieur die Bremsanlage nicht nur nach dem äußeren Eindruck. Relevant sind unter anderem die Funktion und Bremswirkung, der Zustand von Bremsscheiben und Bremsbelägen sowie mögliche Schäden an Leitungen, Befestigungen und Dichtungen.

Typische Beanstandungen können sein:

BauteilMöglicher BremsmangelWarum wichtig?
BremsscheibeStark korrodiert, riefig, gerissen, verschlissen oder mit schlechtem TragbildUngleichmäßige oder zu geringe Bremswirkung
BremsbelagGebrochen, lose, verölt, falsch montiert oder stark verschlissenReibschluss und Sicherheit können beeinträchtigt sein
BremsleitungBeschädigt, undicht, gequetscht oder korrosionsgeschwächtBremsdruck kann verloren gehen

Der TÜV-Report 2026 nennt bei Elektrofahrzeugen unter anderem Mängel an Bremsscheiben als auffälligen Bereich. Der TÜV-Verband beschreibt außerdem verschlissene, riefige oder stark korrodierte Bremsscheiben als häufigen erheblichen HU-Mangel. Eine Sichtprüfung durch die Felge ersetzt deshalb keine fachgerechte Beurteilung auf der Hebebühne oder dem Bremsenprüfstand.

Was können Fahrer im Alltag beachten?

Ein bewusster Umgang mit dem Fahrzeug hilft, ohne die Vorteile der Rekuperation aufzugeben:

  • Mechanische Bremse sicher nutzen: Führen Sie gelegentlich eine kontrollierte, etwas kräftigere Bremsung durch, wenn Verkehr, Wetter und Abstand dies erlauben. So kann die Reibbremse Schmutz und leichten Flugrost entfernen.
  • Nicht gefährlich „freibremsen“: Bremsen Sie niemals überraschend oder stark, wenn andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden könnten. Eine sichere Strecke und ausreichender Abstand sind Voraussetzung.
  • Nach Regen aufmerksam sein: Geräusche, Ruckeln, Schleifen oder einseitiges Ziehen sollten nicht dauerhaft auftreten. Bleiben die Symptome bestehen, sollte eine Fachwerkstatt die Bremsanlage prüfen.
  • Standzeiten berücksichtigen: Bei längerer Abstellung, hoher Luftfeuchtigkeit oder Streusalz kann sich Korrosion schneller bilden. Eine gründliche Fahrzeugwäsche entfernt Salz und aggressive Rückstände.
  • Warnmeldungen ernst nehmen: Eine Bremswarnleuchte, ein ungewöhnlich weiches Pedal oder deutlich veränderte Bremsleistung erfordern eine zeitnahe Prüfung. Bei Verdacht auf einen Bremsausfall darf das Fahrzeug nicht weitergefahren werden.
  • Serviceplan einhalten: Elektroautos sind nicht wartungsfrei. Der TÜV-Verband empfiehlt die regelmäßige Kontrolle der Bremsanlage und den planmäßigen Wechsel der Bremsflüssigkeit.

Bremsen beim Elektroauto vor der HU in Berlin prüfen lassen

Wer sein Elektroauto zur Hauptuntersuchung bringt, sollte ungewöhnliche Geräusche, Rostspuren oder eine veränderte Bremswirkung nicht bis zum Prüftermin ignorieren. Bei der MAG Prüfstation in Berlin-Pankow wird die Hauptuntersuchung nach den gesetzlichen Vorgaben durchgeführt. Dabei erhalten Fahrzeughalter eine klare Einordnung, wenn sicherheitsrelevante Mängel an der Bremsanlage auffallen.

Über die MAG-Hauptuntersuchung in Berlin-Pankow können Sie sich zum Prüfangebot informieren. Einen Termin können Sie direkt über die Online-Terminbuchung vereinbaren. Für Fragen zum Ablauf oder zu erforderlichen Unterlagen steht außerdem das Kontaktformular von MAG Ingenieure zur Verfügung. Die TÜV-NORD-Station von MAG in Berlin-Heinersdorf ist damit eine passende Anlaufstelle für die HU Ihres Elektroautos in Berlin und Umgebung.

Wichtig: Die Hauptuntersuchung ersetzt keine Reparatur. Stellt der Prüfingenieur einen erheblichen Bremsmangel fest, muss die Ursache fachgerecht behoben werden, bevor das Fahrzeug die Prüfung erfolgreich abschließen kann.

Merksatz: Rekuperation spart Bremsverschleiß, aber sie ersetzt nicht die regelmäßige Kontrolle und gelegentliche Nutzung der mechanischen Bremse.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  1. ADAC: Rekuperation – so viel Bremsenergie holen Elektroautos zurück
  2. ADAC: Glossar Elektromobilität – Rekuperation verständlich erklärt
  3. TÜV-Verband: TÜV-Report 2026 und Elektrofahrzeuge
  4. TÜV-Verband: Die zehn häufigsten Mängel bei der HU
  5. TÜV-Verband: Reifen, Bremsen, Batterie – Frühjahrscheck für E-Autos
  6. § 29 StVZO: Hauptuntersuchung
  7. Anlage VIIIa StVZO: Durchführung der Hauptuntersuchung

Stand: 27.08.2026. Angaben dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Fahrzeugdiagnose. Maßgeblich sind die jeweils geltenden gesetzlichen Vorschriften, der Untersuchungsbericht und die Herstellerangaben.