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Die häufigsten Mängel bei der Hauptuntersuchung – und wie Sie diese vermeiden

HU Mängel Beispiel Reifen

Ein defektes Bremslicht, abgefahrene Reifen oder eine dauerhaft leuchtende Kontrolllampe: Viele Probleme bei der Hauptuntersuchung lassen sich schon vor dem Termin erkennen. Trotzdem werden jedes Jahr zahlreiche Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln beanstandet und müssen nach der Reparatur erneut vorgeführt werden.

Dabei geht es nicht darum, ein Fahrzeug nur kurzfristig „durch den TÜV“ zu bringen. Die Hauptuntersuchung soll sicherheitsrelevante Defekte erkennen, bevor daraus eine Gefahr für die Fahrzeuginsassen oder andere Verkehrsteilnehmer entsteht.

Mit dieser Checkliste können Fahrzeughalter typische Schwachstellen rechtzeitig kontrollieren. Arbeiten an Bremsen, Fahrwerk, Lenkung und anderen sicherheitsrelevanten Systemen gehören jedoch in fachkundige Hände.

Wie häufig werden bei der HU Mängel festgestellt?

Nach dem aktuellen TÜV-Report 2026 von TÜV NORD bestanden 59,4 Prozent der ausgewerteten Fahrzeuge die Hauptuntersuchung ohne Beanstandung. Bei 25,2 Prozent wurden erhebliche Mängel festgestellt. Diese Fahrzeuge mussten zunächst repariert werden, bevor eine Prüfplakette zugeteilt werden konnte.

Das Fahrzeugalter spielt dabei eine wichtige Rolle:

  • Bei etwa sechs Prozent der dreijährigen Fahrzeuge wurden erhebliche Mängel festgestellt.
  • Bei zehn Jahre alten Fahrzeugen lag der Anteil bereits bei rund 23 Prozent.
  • Bei Fahrzeugen über zwölf Jahren waren es ungefähr 28 Prozent.

Ein älteres Fahrzeug muss deshalb nicht automatisch in einem schlechten Zustand sein. Regelmäßige Wartung, frühzeitige Reparaturen und eine gute Vorbereitung auf die HU können das Risiko einer Nachprüfung deutlich reduzieren.

Besonders häufig treten Probleme an Beleuchtung, Bremsen, Achsaufhängung, Reifen, Elektronik und Abgasanlage auf. Einige dieser Mängel sind für Fahrzeughalter leicht erkennbar. Andere werden erst auf dem Bremsenprüfstand, auf der Hebebühne oder mithilfe geeigneter Prüfgeräte sichtbar.

Beleuchtung, Sicht und Sicherheitsausstattung kontrollieren

Ein Teil der häufigen HU-Mängel lässt sich ohne Werkzeug überprüfen. Am einfachsten gelingt die Kontrolle zu zweit: Eine Person bedient die Beleuchtung, während die andere außen am Fahrzeug prüft, ob die jeweiligen Leuchten funktionieren.

Beleuchtung vollständig prüfen

Kontrollieren Sie:

  • Standlicht und Begrenzungsleuchten
  • Abblendlicht
  • Fernlicht
  • vordere und hintere Blinker
  • Warnblinkanlage
  • Rückleuchten
  • Bremsleuchten
  • Nebelschlussleuchte
  • Rückfahrscheinwerfer
  • Kennzeichenbeleuchtung
  • Rückstrahler

Achten Sie nicht nur darauf, ob eine Lampe leuchtet. Leuchtengehäuse dürfen nicht stark beschädigt, mit Wasser gefüllt oder unsachgemäß befestigt sein. Auch stark blinde oder beschädigte Scheinwerfer können die Lichtverteilung beeinträchtigen.

Die Einstellung der Scheinwerfer lässt sich zu Hause nur eingeschränkt beurteilen. Wenn entgegenkommende Verkehrsteilnehmer häufig mit der Lichthupe reagieren oder die Fahrbahn ungewöhnlich schlecht ausgeleuchtet wird, sollte die Einstellung vor der HU fachgerecht überprüft werden.

Scheiben, Spiegel und Scheibenwischer

Die Frontscheibe darf keine unzulässigen Beschädigungen im Sichtbereich des Fahrers aufweisen. Risse können unabhängig von ihrer Lage problematisch sein, weil sie sich vergrößern und die Stabilität der Scheibe beeinträchtigen können.

Prüfen Sie außerdem:

  • Funktionieren die Scheibenwischer ohne starke Schlieren?
  • Sind die Wischerblätter eingerissen?
  • Funktioniert die Scheibenwaschanlage?
  • Ist ausreichend Waschflüssigkeit vorhanden?
  • Sind Innen- und Außenspiegel vorhanden und sicher befestigt?
  • Sind die Spiegelgläser unbeschädigt?
  • Lassen sich beschlagene Scheiben ausreichend belüften?

Vorgeschriebene Ausrüstung

Vor dem Termin sollten auch folgende Gegenstände kontrolliert werden:

  • Warnweste
  • Warndreieck
  • Verbandkasten
  • gegebenenfalls abnehmbare Anhängerkupplung
  • alle zum Fahrzeug gehörenden ausbaubaren Sitze

Beim Verbandkasten sollte insbesondere geprüft werden, ob er vollständig und noch verwendbar ist. Kennzeichen müssen ebenfalls gut lesbar und sicher befestigt sein.

Eine ausführliche Übersicht bietet die aktuelle HU-Checkliste des ADAC.

Reifen, Bremsen und Fahrwerk: typische Verschleißstellen

Einige Mängel kündigen sich durch Geräusche, verändertes Fahrverhalten oder sichtbaren Verschleiß an. Diese Hinweise sollten nicht erst kurz vor der Hauptuntersuchung ernst genommen werden.

Reifen und Räder

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt bei Pkw-Reifen 1,6 Millimeter. Das Profil sollte über die relevante Lauffläche kontrolliert werden und nicht nur an einer einzelnen Stelle.

Achten Sie zusätzlich auf:

  • Risse oder Schnitte in der Reifenflanke
  • sichtbare Beulen oder Verformungen
  • Fremdkörper im Reifen
  • einseitig abgefahrenes Profil
  • stark unterschiedliche Profiltiefen
  • richtigen Luftdruck
  • passende Reifengröße
  • fest sitzende Radschrauben
  • Beschädigungen an Felgen
  • vorhandene Unterlagen für nicht serienmäßige Räder

Einseitiger Reifenverschleiß kann auf eine verstellte Achsgeometrie oder ausgeschlagene Fahrwerksteile hinweisen. Ein bloßer Reifenwechsel beseitigt dann möglicherweise nur das sichtbare Ergebnis, nicht aber die Ursache.

Bremsanlage

Die tatsächliche Bremswirkung und die Verteilung der Bremskräfte werden im Rahmen der HU mit geeigneten Prüfmitteln beurteilt. Dennoch gibt es Anzeichen, die Fahrzeughalter vorher wahrnehmen können:

  • ungewöhnliche Schleif- oder Mahlgeräusche
  • stark verrostete Bremsscheiben
  • deutlich verlängerter Bremsweg
  • Fahrzeug zieht beim Bremsen zu einer Seite
  • auffälliges Pulsieren am Bremspedal
  • sehr weiches oder ungewöhnlich hartes Bremspedal
  • Warnleuchte für das Bremssystem
  • schwache Wirkung der Feststellbremse
  • sichtbarer Flüssigkeitsverlust

Ein Fahrzeug, dessen Bremsverhalten auffällig ist, sollte nicht erst bis zum HU-Termin weitergefahren werden. Die Bremsanlage ist unmittelbar sicherheitsrelevant und sollte zeitnah fachgerecht kontrolliert werden.

Lenkung, Fahrwerk und Stoßdämpfer

Probleme an Lenkung und Fahrwerk entwickeln sich häufig schleichend. Mögliche Warnzeichen sind:

  • Poltern oder Klappern auf unebener Fahrbahn
  • schwammiges Fahrverhalten
  • ungewöhnlich großes Lenkspiel
  • Fahrzeug zieht während der Fahrt zu einer Seite
  • Lenkrad steht bei Geradeausfahrt schief
  • ungleichmäßig abgefahrene Reifen
  • Fahrzeug schwingt nach Bodenwellen stark nach
  • sichtbarer Flüssigkeitsaustritt an einem Stoßdämpfer
  • beschädigte oder gebrochene Fahrwerksfedern

Ob Gelenke, Lager, Manschetten oder Aufhängungsteile tatsächlich verschlissen sind, lässt sich zuverlässig meist erst auf einer Hebebühne feststellen.

Kontrollleuchten, Abgasanlage und Flüssigkeitsverlust

Moderne Fahrzeuge überwachen zahlreiche Systeme elektronisch. Beim Einschalten der Zündung leuchten viele Kontrolllampen kurz auf und erlöschen nach dem Motorstart. Bleiben Warnleuchten dauerhaft aktiv, kann ein Fehler gespeichert sein.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen unter anderem:

  • Motorkontrollleuchte
  • ABS-Warnleuchte
  • ESP-Warnleuchte
  • Airbag-Kontrollleuchte
  • Bremsenwarnleuchte
  • Reifendruckkontrollanzeige
  • Warnmeldungen zum Hochvoltsystem bei Elektrofahrzeugen

Eine dauerhaft leuchtende Warnlampe sollte nicht unmittelbar vor der HU einfach gelöscht werden. Wird die Ursache nicht behoben, kann der Fehler erneut auftreten oder bei der Untersuchung festgestellt werden.

Abgasanlage und ungewöhnliche Geräusche

Prüfen Sie, ob der Auspuff:

  • ungewöhnlich laut ist,
  • scheppert oder klappert,
  • sichtbar beschädigt ist,
  • nicht ausreichend befestigt erscheint,
  • Abgase an einer undichten Stelle austreten lässt.

Bei Veränderungen an der Abgasanlage müssen außerdem die erforderlichen Genehmigungen und Nachweise vorhanden sein.

Öl und andere Betriebsflüssigkeiten

Ein Blick unter das abgestellte Fahrzeug kann Hinweise auf Undichtigkeiten geben. Frische Flecken sollten nicht ignoriert werden.

Mögliche Flüssigkeiten sind:

  • Motoröl
  • Getriebeöl
  • Kühlmittel
  • Bremsflüssigkeit
  • Kraftstoff
  • Hydraulikflüssigkeit
  • Flüssigkeit der Servolenkung

Nicht jede feuchte Stelle wird automatisch gleich bewertet. Entscheidend sind unter anderem Art, Menge, Austrittsstelle und mögliche Auswirkungen auf Verkehrs- und Umwelt­sicherheit. Tropfende oder deutlich undichte Systeme sollten jedoch vor der HU fachgerecht untersucht werden.

Rost, Gurte und unzulässige Veränderungen

Oberflächlicher Rost ist nicht automatisch ein erheblicher Mangel. Kritisch wird Korrosion vor allem dann, wenn tragende oder sicherheitsrelevante Bereiche betroffen sind.

Besonders relevant können sein:

  • Schweller
  • tragende Karosserieteile
  • Achsaufnahmen
  • Federaufnahmen
  • Fahrwerksbefestigungen
  • Bremsleitungen
  • Hilfsrahmen
  • Bereiche der Sicherheitsgurtbefestigung

Durchrostungen sollten nicht nur mit Spachtelmasse, Unterbodenschutz oder Abdeckungen verdeckt werden. Entscheidend ist der tatsächliche Zustand des Bauteils.

Kontrollieren Sie außerdem sämtliche Sicherheitsgurte:

  • Gurtband nicht eingerissen oder ausgefranst
  • Gurtschloss rastet sicher ein
  • Gurt lässt sich herausziehen und rollt wieder auf
  • vorhandene Sitze verfügen über die vorgesehenen Gurte
  • Befestigungspunkte sind nicht beschädigt

Umbauten und Zubehör

Nicht serienmäßige Bauteile können ebenfalls zu Problemen führen, wenn erforderliche Unterlagen fehlen oder Auflagen nicht eingehalten wurden.

Das betrifft beispielsweise:

  • Felgen und Reifen
  • Fahrwerk und Tieferlegung
  • Spurverbreiterungen
  • Beleuchtung
  • Lenkrad
  • Abgasanlage
  • Leistungssteigerung
  • Karosserie- und Anbauteile

Bei Fragen zu Umbauten oder notwendigen Abnahmen kann eine vorherige Klärung sinnvoll sein. Anfragen zu Tuning und Eintragungen können an tuning@mag-gutachten.de gesendet werden.

Die 15-Minuten-Checkliste vor der Hauptuntersuchung

Speichern Sie diese Checkliste und gehen Sie sie einige Tage vor dem HU-Termin durch:

Rundgang um das Fahrzeug

  • Alle Leuchten funktionieren
  • Leuchtengehäuse und Rückstrahler sind unbeschädigt
  • Kennzeichen sind lesbar und sicher befestigt
  • Scheiben und Spiegel sind unbeschädigt
  • Scheibenwischer und Waschanlage funktionieren
  • Reifen haben ausreichend Profil
  • Reifenflanken und Felgen sind nicht beschädigt
  • Unter dem Fahrzeug sind keine frischen Flüssigkeitsflecken

Kontrolle im Innenraum

  • Hupe funktioniert
  • Sicherheitsgurte und Gurtschlösser funktionieren
  • Keine Warnleuchte bleibt dauerhaft aktiv
  • Feststellbremse funktioniert
  • Warnweste, Warndreieck und Verbandkasten sind vorhanden
  • Alle vorgesehenen Sitze sind eingebaut

Kurze, aufmerksame Probefahrt

  • Bremsen funktionieren unauffällig
  • Fahrzeug zieht beim Bremsen nicht zur Seite
  • Keine ungewöhnlichen Geräusche von Bremsen oder Fahrwerk
  • Lenkung hat kein auffälliges Spiel
  • Fahrzeug fährt stabil geradeaus
  • Auspuff ist nicht ungewöhnlich laut
  • Keine Warnmeldung erscheint im Display

Sicherheitsrelevante Reparaturen sollten ausschließlich fachgerecht durchgeführt werden. Ein kurzer eigener Check ersetzt weder eine Inspektion noch die Hauptuntersuchung. Er hilft aber dabei, offensichtliche Probleme rechtzeitig zu entdecken und unnötige Nachprüfungen zu vermeiden.

Die HU-Checkliste von TÜV NORD bietet eine weitere Übersicht zu den relevanten Prüfbereichen.

Bei individuellen Fragen zur Vorbereitung oder zu einem besonderen Fahrzeug können Sie das Kontaktformular von MAG Ingenieure nutzen.